Einen Weg gefunden

 

Ich hab lange danach gesucht, wie ich meine Vergangenheit bewältigen kann, ab und an, glaub ich wirklich ich habs geschafft! Aber dann kommen diese Momente voll Melancholie, die mir immernoch aufweisen, da ist ein kleiner Schatten, in meinem sonst so sonnigem Herzen. Ich hab jahrelang meine ganze Wut, meine Sorgen in mich hineingefressen. Ich hab kein Gefühl mehr zugelassen. Wie war das doch, wenn man fühlt kann man auch verletzt werden.... Ich hab mich in Unwahrheiten wieder gefunden. In Rollen geflüchtet, die "Anja" einfach nicht zuließen, ich habe mich sogar dem spießbürgerlichen Leben angepaßt....aber was hat das alles genutzt? Nix! Letztendlich habe ich mich in einer Ehe wiedergefunden, die von Gewalt geprägt war. Auch das hat lange gedauert, bis ich begriff, was mit mir passiert, eigentlich hab ich mich doch nur nach Familie gesehnt! Ich habe meine Mama immer bewundert, wie sie es geschafft hat mir so jemanden verheiratet zu sein, seine Frau zu spielen.... 15 war ich, als sie nach Hause kam, und uns erzählt hat, sie müsse ins Krankenhaus, sie haben einen Tumor gefunden, ich weiß noch wie heute, es waren die Sommerferien, mein Bruder und ich saßen im Wohnzimmer, und sie erzählte es uns als wäre es das normalste der Welt....

 

Monate später, nach etlichen Chemos und Operationen, wußte ich daß es nicht das normalste der Welt ist....wie gern war ich vorher zu Hause, aber meine Mama war nur noch selten daheim...ich bin geflüchtet, ich konnte es nicht ertragen, ihre Wärme nicht mehr in meinem zu Hause zu spüren...ich konnte es nicht ertragen, kein Kind mehr zu sein....Sie war so tapfer....sie hat es geschafft, wieder den Weg nach Hause zu finden....für 1 Jahr....es hat nichts gebracht, sie war dem Tod oft näher wie dem Leben, aber sie hat gekämpft wie ein Löwe, sie hat allen Prognosen getrotzt und hat 5 Jahre mit diesem Dämon, dem Krebs gekämpft....

 

Mein Abitur hab ich gemacht, meine Ausbildung zu Ende gebracht, hatte mich bei mehren Unis umgesehen und war auch angenommen, mein/unser Schicksal meinte es aber gut mit mir, heute weiß ich das. Der Schwangerschaftstest war positiv, ich hielt in in meinen Händen und sah in diesem Moment meine ganze Zukunft fliehen.....

 

Es wurde entschieden, daß wir heiratet sollten, am 50. Geburtstag meiner Mama....ich hab geheiratet....aber ich habe mich auch bewußt für meine Tochter entschieden.....3 Monate war sie auf der Welt...

...ich nahm sie mit ins Krankenhaus, meine Mama lag mal wieder auf der Chirugie, an diesem Tag wollte ich mir den ganzen Tag Zeit nehmen, es war ein Tag den ich in meinem ganzen Leben nicht vergessen werde, ich habe Toni im Krankenzimmer gestillt, meiner Mama von meinen Träumen erzählt, wir haben uns ausgemalt, daß sie zu uns zieht, wenn das Haus fertig ist und sie wieder gesund, um ihrer Ehehölle zu entkommen....mein Gott wir haben noch Zukunftpläne geschmiedet....aber auch der Tag ging zu Ende, ich mußte nach Hause, ich hatte Tanztraining und es war ja kurz vor Karneval! Ich konnte nicht bleiben, und es ist mir so schwer gefallen, sie an diesem Tag zu verlassen! Zuhause hab ich Toni gestillt und bin dann zum Training gegangen...als ich wieder daheim war, sagte mein Mann das Krankenhaus hat angerufen, sie haben deine Mama operiert....in diesem Moment war mir klar, daß ich meine Mutter nie wieder sprechen werde, nie wieder ihren ganz eigenen Duft atmen werde, nie wieder den Spruch: "ich glaub es hampelt" von ihr hören....ich bin sofort ins Krankenhaus gefahren, die Ärzte sagten, ein paar Tage wohl noch....ich bin zusammengebrochen...es war als ob der Boden unter den Füssen weggerissen wurde, mir war schwindelig, sie haben mich nach Hause gebracht, ich habe nur noch Mist geredet, den Ärzten gesagt, sie sollen auf jeden Fall einen Pfarrer holen, wegen der Krankensalbung, ich war völlig durcheinander, aber ich mußte nach Hause, da war ja schließlich ein kleines Wesen, was mich brauchte, Toni mußte unbedingt gestillt werden.... Es war mittlerweile 1 Uhr Nachts, ich fand erst keine Ruhe, irgendwann hat mich aber der Schlaf überholt und ich fand mich in wirren Träumen wieder....Es war gegen 4 Uhr morgens, als ich meinen Mann aufweckte und ihm mitteilte: "Mama war grad hier, sie hat sich verabschiedet, ...ich schaff das alles schon!" 5 Minuten später klingelte das Telefon, und ich wußte wer dran war....Ihre Mutter ist soeben verstorben!....Aber sie hat mich noch einmal berührt, und mir all ihre Liebe und Wärme und auch Stärke geschenkt!

Das ist jetzt 6 Jahre her, es ist viel passiert in diesen 6 Jahren, ein zweites Kind, meinen Wirbelwind Elias...er ist so ein Sonnenschein! Trennung, Neuanfang, aber das sind nur die Eckpunkte! Es kam eben eins zum anderen. Nach Mamas Tot, habe ich nicht mehr viel an Gefühlen zugelassen, ich hab sogar verlernt zu weinen.....ein Mann der mich ständig kontrollierte und abhängig gemacht hat, verlernt irgendwelche Ziele zu haben....ich hab mich mit allem und jedem beschäftigt, nur nicht mit mir selbst...ich hab mir immer soviel aufgehalst, daß ich auch überhaupt nicht die Möglichkeit hatte auf die Idee zu kommen, daß es so nicht weiter gehen kann...

Bis letztendlich mein Körper nicht mehr mitgespielt hat, er hat gestrikt, ich konnte nicht mehr essen, nicht mehr schlafen, ständig Panikattacken....ich glaub wenn ich die Kids in dieser Zeit nicht gehabt hätte, wär ich jetzt irgendwo aber nicht hier!! Ich bin dann in Kur gekommen, und da mußte ich mich dann mit mir beschäftigen, mir wurde soviel klar...es war als ob mir jemand die Binde von den Augen genommen hatte...es gibt sicher Menschen, die ihr Leben lang eine Rolle spielen können, ich habs nicht gekonnt.... Ich konnte, das natürlich nicht von heute auf morgen ändern, aber der erste Schritt war getan: ich wollte es ändern! Das ist jetzt auch schon wieder 2 1/2 her, und ich bin hier und ich bin glücklich. Ich weiß, für jeden scheint die Sonne, und jeder hat sein Leben selbst in der Hand! Ich hab einfach nochmal den Resetknopf gedrückt....

Natürlich hat mein Körper rebelliert, aus seinen alten Gewohnheiten auszubrechen, und ich habe ersteinmal damit kämpfen müssen, wieder auf die Beine zu kommen, jemanden suchen der mir hilft bei dem was ich wollte. Letztendlich habe ich die Unterstützung gefunden die ich brauchten, leider nicht in meinem Familienkreis, sondern von ausserhalb, ich hab sogar wieder Kraft gefunden für die arrangierte Ehe zu kämpfen, und hab versucht mit meinem Mann zu sprechen, wollte versuchen die Beziehung für die Kinder zu retten, aber da bin ich auf Granit gestoßen, es war alles wichtiger, nur nicht die Kids und ich. Aber wenn ich die Freiheit gesucht habe, wurde ich daheim angebunden, auf mich wurde wahnsinnig Druck ausgeübt, wenn ich das heute aus der Ferne betrachte, frag ich mich immer noch wie ich diesem Druck standgehalten habe. Ich fing also an mir helfen zu lassen, ganz langsam zeigten sich auch nach einiger Zeit kleinere Erfolge, ich fing wieder an zu essen, sah auch wieder die Sonne, das Schöne im Leben. Ich exestierte nicht mehr nur noch, sondern lebte wieder, für meinen Mann war das, glaub ich die Hölle, wo er doch Jahre damit zugebracht hatte, mich dem Leben fernzuhalten, und das mit Erfolg! Irgendwann war ich dann soweit, daß ich ihm ganz klar gesagt hab was wir ändern sollen, was ich auch vom Leben erwarte, ich wollte endlich mit meinem Studium anfangen, er sollte mich bitte dabei unterstützen, ich wollte das wir gemeinsam einen Weg finden.... Aber wie ihr sicher bemerkt habt, war es zu spät in dem Moment wo er gemerkt hat, ich hab mich befreit, ich kann auf eigenen Beinen stehen, hat er versucht die Ehe zu retten mit einer Paartherapie, wobei, wie sich dabei herausstellte, wollte er einfach die Anja, die er sich erzogen hatte wieder, und nicht die selbstbewußte Frau von heute. Ich hab daraus meine Konsequenz gezogen und hab mir eine Wohnung, erst einmal im selben Ort gesucht, für die Mäuse war es ja eh schon schwer genug. Übrings gibt er mir heute immer noch an allem die Schuld, wobei ich der Meinung bin wir hatten beide Schuld, ich hätte mich nie so gehen lassen dürfen, daß er die Möglichkeit hatte seine Gewalt an mir auszuüben.

Naja, wie sich während der Trennungszeit zeigte, bestand auch nicht die kleinste Chance in diesem Dorf zu bleiben, er als alteingesessener und ich als zugezogenen, es wurden Gerüchte über mich gestreut, es war das absolute Mobbing, ich wurd geschnitten, ich hab Toni zum Kindergarten gebracht, und keiner sprach mehr mit mir, aber so ist das in kleinen katholischen Dörfern, da verläßt die Frau einfach nicht den Mann....ich hab mir die Nächte mit kellnern um die Ohren geschlagen, damit ich in keinsterweise mehr von ihm abhängig bin, durch einen guten Freund, hab ich dann den Hinweis auf eine Stelle hier in Franken bekommen, ich hab mir echt gedacht, da hätte ich keine Chance, aber ich habe mich beworben und bin direkt zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen worden, nach einem Assesment-Center hatte ich den Arbeitsvertrag, samt Studienvertrag vor mir liegen.... Perfekt... ich könnt Geld verdienen und nebenher würd mein Studium bezahlt... das hätt ich mir echt net zu träumen gewagt.... 

es kommt noch mehr.....